Wir über den Film

„Die größte Herausforderung am Dreh waren die Treppen. Da war zunächst eine lange, endlos erscheinende Treppe, die von der Hauptstrasse aus bis hoch hinaus in die Favela hineinführte.

Daneben gab es unzählige, kleine Treppen, die schief und geländerlos die labyrinthähnlichen Gassen im Inneren der Favela miteinander verbanden und uns Orientierung unglaublich schwer machte. Morgens schleppten wir uns diese Treppe mit unserem ganzen Equipment hoch, abends nach einem langen Dreh wieder hinab. Dabei wurden wir nicht selten von weitaus älteren Menschen überholt, die sich mit zügigem Schritt fortbewegten und uns mit einer Mischung aus Mitleid und Neugier betrachteten. Sie kannten uns nicht und das fiel auf in der kleinen comunidade Ladeira dos Tabajaras, die sich von Botafogo über den Berg bis nach Copacabana erstreckt.

Nach gut einer Woche kannten uns die meisten. Wir, mit Kamera, Stativ und Mikro in der Hand, ständig auf den Fersen unserer zwei Hauptpersonen, sorgten des Öfteren für Aufsehen auf der Straße. Ihrer Neugier zum Trotz kamen nur wenige auf uns zu, um zu erfahren, was wir denn da eigentlich machen. Die meisten schauten einfach nur zu und beschränkten sich darauf, uns bei Zeiten zurückzugrüßen, wenn wir ihnen über den Weg liefen. Ohne uns darüber bewusst zu sein waren wir so für diese Zeit ein Teil des Favelalebens geworden – auf ganz unspektakuläre Art und Weise.

Das schönste am Dreh waren die Menschen, denen wir begegneten. Wir können uns glücklich schätzen, dass die Personen, die an unserem Film teilnahmen, nicht nur besonders interessante Menschen mit außergewöhnlichen Lebensgeschichten sind. Darüber hinaus besitzen sie die seltene Fähigkeit, diese Geschichten auch noch gut rüberzubringen und den Gegenüber damit zu fesseln.

Jedes unserer Interviews wurde so zum Gespräch, in dem wir der Intensität der Erzählungen erlagen. Auch der Dreh entwickelte sich zu etwas ganz natürlichem und bekam seine ganz eigene Dynamik. Es gab viele gedrehte Szenen, die mit ihrer Tiefe und Bedeutung für sich standen und keiner Worte mehr bedurften.

Diese Menschen, die uns Ihr Vertrauen und ihre Geschichte schenkten, sind die Essenz unseres Dokumentarfilmes. Denn in unserem Film geht es um die Menschen.

Wie unsere Hauptcharakter Francisco uns mal sagte:

„Es geht hier nicht um Statistiken oder Studien, hier sitzt niemand an einem Schreibtisch und analysiert in der Ferne irgendwelche Zahlen und Werte. Hier geht es um Personen, die das alles wirklich erlebt und gesehen haben... Personen, die ein Teil dieser ganzen Realität waren und sind“.